Die Einigungsversammlung im Juli 1921
Neben einem Bericht über die Nachkriegsentwicklung der Selbecker Turnerschaft, Trend zum Ballspiel von Manfred Möller, und Gedanken über aktuelle Veränderungen und Reformen: Vereinsarbeit transparenter von aladin, nimmt die Dokumentation 75 Jahre Turnen und Sport in der Selbecke von Armin Voß den größten Raum ein.
Im letzten Teil seines Berichts äußert sich Voß zu Problemen bei der Zusammenstellung von Vereins-historischen Tatsachen:
Beginnt man nachzuforschen, welche Selbecker Turner und Sportler sich seit Gründung der Selbecker Turnvereine am turnerisch-sportlichen Geschehen beteiligten, können Einzelheiten zum Teil nicht mehr oder aber nur unter erheblichen Schwierigkeiten ermittelt werden.
Der Grund für diese unbefriedigende Feststellung ist offensichtlich. Alle Vereinsprotokolle und sonstigen Aufzeichnungen von 1896 bis 1945 sind in Verlust geraten. Auch die einschlägigen Unterlagen der Nachkriegszeit weisen erhebliche Lücken auf.. Hinzu kommt als weitere Erschwernis, dass die betrffeneden Belege verstreut – bei den einzelnen Turn- und Leichtathletikwarten – aufbewahrt werden. Was sich neben den Vereinsakten der 50er Jahre noch findet, sind hin und wieder alte Urkunden, Siegerkränze mit Schleifen und Fotogtrafien aus Privatbesitz. Mitunter kann auch auf Zeitungsberichte, Festschriften usw. zurückgegriffen werden. Im Rahmen der diesbezüglichen Sucharbeit boten die Auskünfte einzelner Vereinsmitglieder eine wertvolle Hilfe. Aus: Festschrift 75 Jahre Sport in der Selbecke, S. 63ff.
Zu den Dokumenten aus der Zeit vor dem Krieg , die erhalten geblieben sind, gehören Briefe der Stadt an den damaligen „Platzobmann des städt. Sportplatzes Mäckingerbach, Herrn Rich.Schaacke“, Informationen über Werbeabenden und Gauturnfeste in den 30er Jahren, und eine Abschrift des Protokolls der „Einigungsversammlung der beiden Selbecker Turnvereine im Saale des Herrn Karl Schaacke am 26. Juli 1921“.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren drei Turnvereine in der Selbecke gegründet worden: Germania Selbecke 1882, Freie Turnerschaft Selbecke 1882, Turnerschaft Selbecke 1896. 1914 sollte die Selbecker Turnerschaft das Bergfest der Mittelmark ausrichten (vgl. zum Folgenden Festschrift, s.o., S. 53 ff); es konnte jedoch nicht mehr durchgeführt werden, „weil der Weltkrieg ausgebrochen und und eine Vielzahl der Turner schon zum Wehrdienst eingezogen war“. Zunächst wurde der Turnbetrieb noch von einigen Jugendlichen aufrecht erhalten, bis er 1915 ganz zum Erliegen kam.
Übertragung des Protokolls:
Abschrift: Richard Schaacke
Einigungsversammlung der beiden Selbecker Turnvereine
im Saale des Herrn Schaacke am 26. J u l i 1921
Laut Vorstandsversammlung vom Dienstag, den 22. Juli 1919, führte Turngenosse Richard Schaacke als Unparteiischer die Versammlung und ihm zur Seite Robert Schaacke als Schriftführer.
Begrüssung durch den Vorsitzenden. Hinweis auf die Vorteile der Vereinigung Alklgemeine Zustimmung.
Dann zu den Einigungsbedingungen:
- Namen des Vereins:
Der obere Verein beantragt Namen: „Turnerschaft Selbecke“ Wiedersprruch des unteren Vereins, das laut Beschluss des gemeinsamen Vorstandes die Bezeichnung „Turnverein Selbecke“ vorgesehen war. Hinweis des Turngenossen Rob. Schaacke, dass es doch gleich sei, wie der Verein sich schimpfe, in der Hauptsache käme es doch auf die Kräfte und die Kameradschaftlichkeit des einzelnen an. Dann Antrag des Turngenossen Richard Schaacke auf Übernahme der Bezeichnung „Turnerschaft Selbecke“ aber unter Beibehaltung des Gründungsdatums des unteren Vereins Germania. Antrag angenommen
Abstimmung 33 gegen 7 bei 8 Stimmenthaltungen.
- Kassenangelegenheiten: Verschmelzung der beiden Kassen angenommen. Blasberg soll die ausstehenden Gelder einziehen.
- Lokalfrage machte Anfangs viel Schwierigkeiten. Vermittlungsantrag von Rich. Schaacke, wöchentlich abwechselnd im oberen und unteren Saale zwei Jahre lang zu turnen und dann nach 2 Jahren endgültig über Lokalsitz abzustimmen wurde einstimmig angenommen. Bis zum Bergfest im unteren Saale turnen.Hierzu bemerkte der Turngenosse August Faust, dass in dem oberen Verein die Rede gewesen wäre, Sicherungsmassnahmen sich vorzubehalten und zwar in der Weise, dass, solange noch 6 Mann des oberen Vereins auf Wiedertrennung beständen, sämtliche Möbeln pp. Wieder abgegeben werden müssen. Dies wurde jedoch vom Vorsitzenden schroff verworfen, dagegen machte Vorsitzender den Vorschlag zu beschliessen, dass alle wichtigen Bestimmungen (z.B. Übertritt zum Märk. Gau oder Arbeiterturnverein mit einer 9/10 Mehrheit unterliegen müssen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen mit der Bestimmung, dass dieser Beschluss für eine Zeitdauer von 2 Jahren Geltung habe und dass der obere Verein, falls dagegen verstossen werden sollte, innerhalb der zweijährigen Frist berechtigt sei, jederzeit mit Mobiliar pp. zurückzutreten
- Fahnenangelegenheit: Untere Fahne beibehalten mit der entsprechenden Namensänderung, obere Fahne für die Jugendabteilung. Einstimmig Annahme.
- Mützenangelegenheit: Einstimmig beschlossen, Turnermützen abzuschaffen, dagegen grünweisse Kordel des unteren Vereins einzuführen, die oberen blauroten sollen bei Rosendahl im Umtausch gegeben werden.
- Wetturnordnung [!] und Statuten sollen auf Grundlage der obigen Beschlüsse neu aufgestellt werden und zwar von je 2 Mann des oberen und unteren Vereins.
- Vorstandswahl ging erfreulicherweise schnell von statten.
Ehrenvorsitzender Aug. Faust in Anbetracht seiner Verdienste des oberen Vereins, wo er in derselben Eigenschaft fungiert hat.
I .Vorsitzender Ewald Butz (derselbe nimmt die Wahl nach anfänglichem Sträuben an)
- Vorsitzender Fritz Schaacke
Kassierer: Wilhelm Herkelmann
- Turnwart: Wilhelm Keller
- “ : Otto Buschsieper
Ferner wurde Robert Butz, der infolge Verhinderung nicht zugegen war, auf Vorschalg von Wilhelm Herkelmann, zum Turnwart der Jugendabteilung gewählt.
- Schriftführer: Heinrich Finken
- “ : Ernst Schulte
Zeugwarte: Aug. Kirchhoff und Franz Wigge
Der vom oberen Verein geplante Ausflug nach Zurstrasse sollte beibehalten werden, verbunden mit Jugendabteilungswetturnen in zwei Klassen, was noch weiter ausgearbeitet werden sollte.
Hierzu Antrag des Turngenossen Rich. Schaacke auch die Veranstaltungen einer Einiigungsfeier im oberen Saale, wurde einstimmig beschlossen.
Ferner wurde die aktive Mitgliederschaft, oben 15 Jahre, unten 25 Jahre, auf das Mittel 20 Jahre festgesetzt, dann ab deren Zeit keine Beiträge.
Im Punkt Verschiedenes kamen noch Festangelegenheiten zur Sprache, und deren Ausarbeitung der I. Vorsitzende Ewald Butz betraut wurde.
Am Schlusse ermahnt Rich. Schaacke nochmals, treu zu fahne zu halten, zum Wohle der ganzen Selbecker Turner.
Hagen-Selbecke, den 26. Juli 1921
gez. Richard Schaacke, Versammlungsleiter
gez. Robert Schaacke, Schriftführer