Es tut uns sehr leid: Günther Leste ist gestorben
Günther gehörte zu den Unentwegten, die sich nach dem Ende des Krieges entschieden dafür einsetzten, dass sich die Turnerschaft neu gründete, wenn sich auch sein sportlicher Schwerpunkt, die Leicht-athletik, in der Nachkriegsentwicklung nicht durchsetzen konnte – er war halt kein Handballer.
In Gesprächen – zugegeben: erst nach einer Neuorientierung des Vereinslebens, die u.a. durch die Nutzung des durch Vereinsmitglieder hergerichteten Vereinsraums möglich wurde, sind
wir einander näher gekommen – wurden seine traditionellen Vorstellungen von Leibesübungen und Wettkampf in seinem Stadtteil, seine Verbundenheit mit dem Verein in der Selbecke und sein Interesse am aktuellen Vereinsgeschehen deutlich, u.a. durch seine Jahrzehnte lange Mitgliedschaft im Förderkreis.
Günther war ein eher leises Vereinsmitglied, ein Mann souveräner Bescheidenheit. Immer wieder hat er mich beeindruckt durch seine Schilderungen, wie ihn der Vereinssport in jungen Jahren geprägt hat, wie sehr durch den Verein bleibende Freundschaften entstanden sind, und dann aber auch, wie sich wegen zunehmender Mobilität die alten Freunde aus den Augen verloren: Erinnerungen und Geschichten aus einer Zeit, die viele nur noch aus Erzählungen kennen – wenn sich denn jemand dafür interessiert.
Seit einigen Monaten ging es ihm zunehmend schlechter, gleichwohl nahm er interessiert und mit Freude mit seiner Partnerin Maren weiterhin an Vereinsveranstaltungen und Mitgliederversammlungen teil; erst beim diesjährigen abschließenden Treffen der Maiwanderer am 1. Mai auf dem Schulhof war er nicht mehr dabei.
Mit Günther ist einer der letzten aktiven Vertreter einer besonderen Generation von Sportlern in der Selbecke gestorben; besonders deswegen, weil die Zeit und die Umstände es erlaubten, dass Schule, Freizeit, Sport und Nachbarschaft ineinander flossen und den Alltag über viele Jahre bestimmten.
Seine Anwesenheit war für viele derjenigen, die sich selbst noch zu den alten Selbeckerinnen und Selbeckern zählen und die sich oft wehmütig an alte Vereinsstrukturen und Gepflogenheiten erinnern (das sind ja nicht mehr so viele), selbstverständlich geworden und gleichzeitig etwas Besonderes: Am 1. Juli 1949 ist er zehnjährig in den Verein eingetreten; er gehörte seit seiner frühen Jugend einfach dazu.
Günther wird nicht mehr zum Vereinsraum auf dem Schulhof kommen, und auch nicht mehr zu Versammlungen; viele werden ihn vermissen.